Seminare

Seminar 1: Der writers room – Schreiben im Team
Leitung: Bob Konrad zusammen mit Hanno Hackfort
Spätestens mit dem neuerlichen Golden Age of Television und der Flut von Serien aus den USA, Großbritannien und Dänemark taucht auch immer wieder ein Begriff auf: Der writers room. Er wurde zum Sinnbild qualitativ hochwertiger Serien und Vorbild für innovatives Arbeiten in Fernsehen und Funk. Aber was ist ein writers room, wie wird dort gearbeitet und geschrieben? Wie entsteht eine hochkomplexe, langlaufende Serie im Team?

Bob Konrad und Hanno Hackfort blicken auf weit ĂĽber zehn Jahre Erfahrung im writers room zurĂĽck und haben alles einmal ausprobiert: Von der Daily Soap und Telenovela bis hin zur High End Drama Serie fĂĽr Pay TV und internationale Streaming Anbieter. Die beiden Autoren geben Einblick in ihre Erfahrungen und wollen das Arbeiten im Team gemeinsam mit den Teilnehmer*Innen ausprobieren.

Seminar 2: Die Inszenierung von Furcht und Schrecken
Leitung: Walter Adler
Wie wird Angst in einer Hörspiel-Produktion transformiert und transportiert? Welche Rolle spielen Emotionen und Empathie, eigene und beobachtete Erfahrung?  Die Stichworte dazu heißen: Reizaufnahme, Reizverarbeitung, kognitive und emotionale Wahrnehmung, Angst und Fantasie, Literatur und Spiel, Lust, Schrecken und Abscheu.

Anhand von Beispielen aus dem Hörspielschaffen, dem Film und Theater werden wir uns mit diesen Fragen beschäftigen, um herauszufinden, welches Material der Regie dazu zur Verfügung steht, wo man es findet, wie man es kontrolliert, bearbeitet und gezielt im Sinne der gewollten inszenatorischen Absicht einsetzt.

Seminar 3: Der Text liegt zwischen uns und der Welt
Leitung: Philine Velhagen
Der Workshop spielt mit verschiedenen Versuchsanordnungen und gemeinsam vereinbarten Setzungen, denen wir uns unterwerfen – als Einzelne und auch als Gruppe. Wie kann ein Kollektiv gemeinsam einen Platz in der Stadt erfassen? Können wir die Kontrolle ĂĽber unseren Gestaltungswillen an ein Prinzip abgeben? An ein intuitives Schwarmwissen? Wir schneiden unsere Versuche mit. Wie behandeln wir das aus dem Experiment gewonnene Material? Wie wird daraus eine Geschichte? Wessen Geschichte ist es dann? Und wem gehören die Ideen, wer ist die Autorin? Muss es am Ende ĂĽberhaupt eine Geschichte geben?

Die Hörspiele von Philine Velhagen werden nicht im klassischen Sinne am Schreibtisch geschrieben. Eine Versuchsanordnung in der Realität schreibt den Text. Eine Narration entsteht, indem Philine Velhagen sich selbst und anderen einer im Realen existierenden Versuchsanordnung unterwirft. Sei es die Behauptung, ganz Köln sei ein Hotel und wir gehen heute Abend nicht in unser gewohntes Zimmer, sondern erhalten den SchlĂĽssel zu einer anderen Wohnung (Hotel Köln – Das größte Hotel der Stadt, 2013). Oder aber ein markierter Geldschein gibt die Dramaturgie vor, indem dessen Reise die Reise der Protagonistin bestimmt (Folge dem Schein, 2011).

Seminar 4: Beim nächsten Ton ist es… 11 Uhr, 55 Minuten und 0 Sekunden
Leitung: Verena Guido
Bereits 1909 wurde auf der Sternwarte Hamburg ein Zeitsignal eingerichtet. Es bestand aus zwei Klangzeichen: Das erste gab die volle Minute, das zweite einen vollen FĂĽnfminutenschritt an. Sie ĂĽbermittelten die Zeit durch Klangzeichen, nicht jedoch durch Sprache.

Mittlerweile begleiten uns nicht nur telefonische Ansagedienste oder tickende und schlagende Uhren, sondern Pieptöne, wenn wir rĂĽckwärts ausparken, wenn die KĂĽhlschranktĂĽr offen steht, wenn ein Akku bald leer ist. Dazu zahlreiche KI-Stimmen, die sich Siri oder Alexa nennen. Sicherheit – oder vermeintliche Sicherheit? Vernetztheit – oder nur vertiefte Einsamkeit und Auslieferung ans Silicon Valley?  Ist „Big Tech Opium fĂĽrs Volk“? Und Opium fĂĽr die Kunst? Wie wirkt sich die Analyse unserer unzähligen User-Daten z.B. auf Pop-Produktionen aus? Hören wir zunehmend das, was wir hören wollen – oder wollen wir nur noch das, was uns als scheinbar maĂźgeschneidert verkauft wird?

Musikalische Vorbildung ist herzlich willkommen, jedoch kein Muss. Stimme, Instrument und musikalische Eigenproduktionen – soweit vorhanden – gerne mitbringen.

Seminar 5: Kontrolliert dabei sein. Die Dynamik von Ich und Wir im Hörspiel.
Leitung:
Gaby Hartel
„Gemeinsam ist das neue Ich“ textet LinkedIn derzeit in einem Werbespot und ein bisschen klingt das nach einer fröhlichen Entlastung in der Auseinandersetzung mit der eigenen Identität. Denn diese zupackende PR-Verortung des Selbst im Kollektiv sieht aus wie das entspannende Gegenmodell zu Marcel Prousts beunruhigender Feststellung, dass „ein in Raum und Zeit verstreutes Wesen […] nicht mehr eine Frau ist, sondern eine Reihe von Ereignissen“. Der Kontrolle des Beobachters entzogen. Der Beschreibung entzogen. Konturlos im sich ständig verändernden Raum. Unheimlich.

In meinem Workshop möchte ich einigen Fragen nachgehen, die seit Beginn der Neuzeit immer wieder gestellt werden: Was ist das Ich? Wo entsteht es? Wie viel Eigenständigkeit ist nötig, um „die Seele zu machen?“, so der Dichter W.B. Yeats. Welche Rolle spielen dabei Vorbilder? Meinungsmacher? Themengeber? Wie viel Kontrolle hat das Ich ĂĽber seine flĂĽchtige Substanz? Wie muss der Körper des Ich aussehen? Wie seine direkte Umgebung? Wie viel vom Anderen steckt im Ich? Wie stark ist individuelles Denken und Handeln in Gruppenbewegungen?

Anhand von Hörbeispielen werden Inszenierungen von Ich und Masse analysiert, und ich freue mich auf die mitgebrachten Hörstücke, Manuskripte, Ideenskizzen und Gedanken der Teilnehmer*Innen.