Seminare

Seminar 1 „Spielregeln“ (Max. 8 Teilnehmer)
Leitung: Helgard Haug

Theater ohne Schauspieler – Hörspiel ohne professionelle Sprecher: dafür stehen die Arbeiten von Rimini Protokoll. Umso wichtiger sind die spielerischen Grundvereinbarungen: nach welchen Regeln kann ein Hörspiel entstehen? Welche Situationen können geschaffen werden, damit die eingeladenen Protagonisten darin agieren, improvisieren und sich begegnen können? Wie formt der Inhalt auch die Aufnahmesituation? Und lassen sich Instruktionen entwickeln, in die wiederum die Hörer eingebunden werden?

 

Seminar 2 „ Süße Rache?“ (Max. 8 Teilnehmer)
Leitung: Maxi Obexer

Süße Rache?
Was könnte eine süße Rache sein?
Kann Rache auch schön sein?
Sogar heilsam? Was kann Rache bewirken?
Gibt es eine Rache, die dem anderen – und damit sich selbst nicht wehtut?
Wann ist der Punkt erreicht, da Rache zuerst schön ist, aber dann umkippt ins Unschöne? Wie ist Rache, die verletzt, vor allem sich selbst verletzt?

Die Teilnehmenden sind aufgefordert, als Arbeitsmaterial kleine Geschichten, Berichte, Momente mitzubringen, in denen sie sich gerächt haben. Geschmeidig, klug, böse.

 

Seminar 3 „Akustische Spurensuche“ (Max. 8 Teilnehmer)
Leitung: Verena Guido

Manche Ereignisketten, geschichtliche Zusammenhänge, Jahrzehnte von Leid und Trennung tauchen in unserem Bewusstsein auf, wenn wir nur einen einzigen Satz hören: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen“, oder „Ich bin ein Berliner“…

Wie ist das mit Klängen, Akkorden, Musikstilen, Gitarrenriffs? Wo sind die Schlüsselreize, die uns zurück katapultieren zu dunklen oder besonders intensiven Momenten unserer eigenen Geschichte? Ein Wiegenlied einer Spieluhr? Eine Bahnhofsansage? Eine Geige auf einer Schellackplatte? Eine historische Radio-Meldung? Das Zerreißen eines Abschiedsbriefs? Ein unvergesslicher Reim?

Wo findet man diese Klänge, wie kann man sie mischen und collagieren, um damit zu beschreiben, was sich gleichzeitig und oft unbemerkt in den Gedanken abspielt, oder auf der Traumebene?

Zum Thema Rache fällt mir als erstes immer das Heine-Gedicht „Wie schändlich du gehandelt…“ ein (https://de.wikisource.org/wiki/Wie_schändlich_du_gehandelt). Es soll eine akustische Inszenierung dieses Textes versucht werden, die Sublimierung der Rache durch eine dadaistische Performance. Eine Rede an die Fische im Ozean.

 

Seminar 4 „Emotionen im Hörspiel“ (Max. 8 Teilnehmer)
Leitung: Benjamin Quabeck

Zwischen den Worten liegt die Stille – und der Raum für Gefühle. In diesem Regie-Workshop geht es um das Herantasten an Emotionen, um die Umsetzung von dramatischen, existentiellen Szenen und um die Frage, wie sich Gefühle akustisch abbilden lassen. Nicht nur in der Sprache, sondern auch in dem Dazwischen – den Pausen, den Atmern, dem Stocken und Ringen um Worte – liegen die Möglichkeiten des emotionalen Erzählens.

Die Teilnehmenden bereiten im Vorfeld Szenen vor, die mit Schauspielern im Studio umgesetzt und danach gemeinsam analysiert werden. Der Fokus liegt auf der Ausarbeitung des emotionalen Kerns bzw. Wendepunkts einer Szene mit Verzicht auf Musik und Sounddesign.

 

Seminar 5 „Rache am Hörspiel“ (Max. 10 Teilnehmer)
Leitung:  Martina Müller-Wallraf

Nur als barbarische Bedingungslosigkeit kann Rache zum Kunstwerk werden. Zur Sublimation. Zur Erlösung. Denn für das wahre Leben ist die animalische Klarheit zu grausam, um einlösbar zu sein. Entfesseln wir also den Traum vom letztendlichen Schlag jenseits aller Gesetze. Befreien wir uns in aller Konsequenz vom Joch der Gesellschaftsverträge. Kochendes Blut und Raserei fürs Publikum. Danach kommt nichts mehr. Weil eigentlich längst alles egal ist. Weil du vor deinem letzten Abgrund stehst. Unabwendbar. Mit der letzten Konsequenz, die übermenschliche Kräfte freisetzt. Archaische Kompromisslosigkeit, die alle Scham verschlingt, alle Glaubensbekenntnisse vergisst, alle zivilisatorischen Firnisse aufreißt und nur die eine nackte, wilde Emotion übrig lässt. Die nicht die Frage stellt „ich oder du?“, sondern das Versprechen brüllt „du auch!“ Und wenn es das letzte ist, was ich tue. Wir hören und diskutieren Produktionen.

Alle Teilnehmer sind aufgefordert etwas zum Thema einzubringen, nach Möglichkeit eigene Werke. Bitte die Titel bis 2 Wochen vorher melden oder als File schicken.